Liri
08.02.2005, 13:11
HIM, eine fantastische Band aus der Versenkung Finnlands.
Sie sind ja schon lange hier in Deutschland bekannt und ich glaube auch viele von euch kennen sie.
Die Stimme von Ville Valo geht einfach unter die Haut und auch die Texte sind ein garant für traurige Tage. ich kann mich bei der Musik immer super entspannen. #pfeifen#
Blenden wir zurück:
1996 gründete Frontmann Ville Hermanni Valo mit einigen Freunden in Helsinki die Band, um seine persönliche Version von "Düsterrock mit Pop-Appeal" in die Tat umzusetzen. Bereits mit dem zweiten Demo konnte die Band einen Deal bei der finnischen BMG landen und veröffentlichte kurz darauf das Debütalbum "Greatest Lovesongs Vol. 666". Zwei Top- Ten-Singles und eine Album-Goldauszeichnung später schwappte die Hysterie über die Band auch nach Deutschland über. G.U.N. Records lizensierten "Greatest Lovesongs Vol.666", und überschwengliche Pressereaktionen sorgten schnell dafür, daß die Band als legitimer Anwärter auf den Gothic-Rock-Thron gehandelt wurde. Die perfekte Synthese aus düsteren Klängen, die sich wohl am ehesten mit der schon sprichwörtlichen finnischen Melancholie und eingängigen Melodien erklären lassen, zündete gewaltig und katapultierte die Band in den Leser-Polls der einschlägigen Musikpresse weit nach vorne.
Aber es war nicht nur die unbestritten gute Musik und das Kokettieren mit der magischen Zahlenfolge 666 (mit der HIM die Nähe von Liebe und Tod stilisieren), die die Newcomer zum Objekt der Begierde machten. Ville Valo, Frontmann und Hauptsongwriter in Personalunion, hatte nicht nur die Looks, um bald darauf mit dem jungen Jim Morrison verglichen zu werden, sondern erwies sich im einsetzenden Interviewmarathon als schlagfertiger und eloquenter Gesprächspartner, der trotz seiner traurig-düsteren Kompositionen so ganz und gar nicht das Klischee vom eigenbrödlerischem Griesgram erfüllen wollte. Ville Valo war es auch, der HIM souverän durch zwei Deutschland-Tourneen und alle wichtigen Events der diesjährigen Festivalsaison führte, denn das exzessive Touren stellte die junge Band vor eine erste Zerreißprobe:
"Durch die Erfolge, die wir in unserer Heimat vorweisen konnten, wurde eine riesige Erwartungshaltung aufgebaut, mit der wir fertig werden mußten. Das war keine leichte Situation für uns. Andererseits merkt man erst unter extremen Bedingungen, wie sie während einer Tour üblich sind, ob eine Band richtig funktioniert oder nicht. Wir standen plötzlich vor dem Problem, den Drummer und den Keyboarder ersetzen zu müssen", so Ville rückblickend.
Das Problem wurde jedoch schnell gelöst. Besetzte Juska, ein bisher kaum in Erscheinung getretener Musiker, den vakanten Posten des Keyboarders, so klemmte sich mit Gas Lipstick (ex-Kyyria) ein echter Haudegen der Helsinki-Szene hinter die Drums und sorgte von nun an für den nötigen Drive. Die neu gefundene Stabilität im Line-up war mitverantwortlich dafür, daß HIM bei fast jedem ihrer Konzerte einige neue Songs in den Set integrierten, um erste Publikumsreaktionen auszuloten.
Ville: " Während wir in Deutschland tourten, hatten wir bereits seit einem Jahr am Material für unser zweites Album gearbeitet ? da bot es sich an, die Tracks live zu testen. Was im Studio gut klingt, muß unter Live-Bedingungen noch lange nicht funktionieren."
Im vergangenen Frühjahr ging das Quintett dann daran, das zweite Album aufzunehmen. Wie beim Debüt griff man auf die Dienste von Produzent Hiili zurück und nahm die Scheibe in den Finnvox Studios im heimischen Helsinki auf. Einige Monate später verkündete man dann der überraschten Presse, daß man die Scheibe komplett neu einspielen wolle. Eine Entscheidung, die Ville heute ? mit dem notwendigem Abstand - folgendermaßen erklärt:
" Wir hatten das Gefühl bei weitem nicht das Optimum herausgeholt zu haben. Vielleicht lag es an uns selbst, denn wir hatten die Songs stetigen Veränderungen unterzogen und langsam, aber sicher, ihren ursprünglichen Charme verwischt. Vielleicht lag es aber auch an der Jahreszeit, in der wir die Scheibe aufgenommen hatten. Der Winter ist in Finnland einfach zu bedrückend, als daß man sich seiner Kraft entziehen kann. Ich glaube, deshalb klangen die Songs in ihren Endversionen zu depressiv, zu ausufernd...".
Einige Monate später verschanzten sich HIM wieder im Studio. Diesmal in den Rockhouse-Studios in Wales und unter der Anleitung von Soundtüftler John Fryer ( NIN, White Zombie, Depeche Mode ), der dem Quintett einen zusätzlichen Push verschaffte.
Ville ist der erste, der bereitwillig zugibt, das Fryer der Band zusätzliches Selbstvertrauen gab und es so ganz nebenbei schaffte, die Arrangements zu straffen: " John hat uns die Augen geöffnet, denn er ist an unser Material völlig unbefangen herangegangen und hatte keine Erwartungshaltung. Er hat sich darauf konzentriert, unsere Stärken voll zum Tragen zu bringen und uns wertvolle Tips gegeben. Der Typ ist ein absoluter Vollprofi ".
Einen ersten Eindruck der Kollaboration mit John Fryer konnten sich HIM-Fans bei der ersten Singleauskopplung "Join Me" machen. Für den Soundtrack des aktuellen Roland Emmerich Films "The 13th Floor" steuerte man eben diese Nummer bei und drehte einen Filmsequenzen enthaltenden Videoclip ab. Entpuppte sich der Song schon nach wenigen Durchläufen als kleine Gothic-Rock-Oper mit enormen Hitpotential, so sorgte der Videoclip, in dem Ville scheinbar mühelos die visuelle Wandlung zu einer modernen Version der Kunstfigur Ziggy Stardust vollzog, für weiteres Aufsehen.
Der Boden für die Veröffentlichung von " Razorblade Romance" ist also perfekt bereitet, zumal sich die Band deutlich gewachsen zeigt und die Klasse des Debütwerks toppen kann.Zwar hat sich das Erfolgskonzept, die Kombination aus harten Gitarren und melancholischen Melodien,
nur um Nuancen geändert, aber die Band ist ihrer Vision von "Goth?n Roll" erstaunlich nahe gekommen. Beinahe beängstigend intensiv interpretiert man düster-morbide Tracks wie 'Gone With The Sin' oder 'Join Me', während treibende Songs wie 'She'll Be (Right Here In My Arms)', 'Razorblade Kiss' oder das als Reminiszens an das Debüt gedachte '666 Revisited' erstaunlich leicht aus den Boxen rocken.
Das bisherige Erfolgsrezept wurde bis auf die Tatsache, daß man mit'Heaven Tonight' und ' 'One Last Time' eine deutliche Affinität zu den Achtzigern dokumentiert, konsequent beibehalten und zeugt von gewachsenen Selbstvertrauen des Helsinki-Fünfers.
"Razorblade Romance" ist die Reifeprüfung einer Band, die den Höhepunkt noch lange nicht erreicht hat.
Sie sind ja schon lange hier in Deutschland bekannt und ich glaube auch viele von euch kennen sie.
Die Stimme von Ville Valo geht einfach unter die Haut und auch die Texte sind ein garant für traurige Tage. ich kann mich bei der Musik immer super entspannen. #pfeifen#
Blenden wir zurück:
1996 gründete Frontmann Ville Hermanni Valo mit einigen Freunden in Helsinki die Band, um seine persönliche Version von "Düsterrock mit Pop-Appeal" in die Tat umzusetzen. Bereits mit dem zweiten Demo konnte die Band einen Deal bei der finnischen BMG landen und veröffentlichte kurz darauf das Debütalbum "Greatest Lovesongs Vol. 666". Zwei Top- Ten-Singles und eine Album-Goldauszeichnung später schwappte die Hysterie über die Band auch nach Deutschland über. G.U.N. Records lizensierten "Greatest Lovesongs Vol.666", und überschwengliche Pressereaktionen sorgten schnell dafür, daß die Band als legitimer Anwärter auf den Gothic-Rock-Thron gehandelt wurde. Die perfekte Synthese aus düsteren Klängen, die sich wohl am ehesten mit der schon sprichwörtlichen finnischen Melancholie und eingängigen Melodien erklären lassen, zündete gewaltig und katapultierte die Band in den Leser-Polls der einschlägigen Musikpresse weit nach vorne.
Aber es war nicht nur die unbestritten gute Musik und das Kokettieren mit der magischen Zahlenfolge 666 (mit der HIM die Nähe von Liebe und Tod stilisieren), die die Newcomer zum Objekt der Begierde machten. Ville Valo, Frontmann und Hauptsongwriter in Personalunion, hatte nicht nur die Looks, um bald darauf mit dem jungen Jim Morrison verglichen zu werden, sondern erwies sich im einsetzenden Interviewmarathon als schlagfertiger und eloquenter Gesprächspartner, der trotz seiner traurig-düsteren Kompositionen so ganz und gar nicht das Klischee vom eigenbrödlerischem Griesgram erfüllen wollte. Ville Valo war es auch, der HIM souverän durch zwei Deutschland-Tourneen und alle wichtigen Events der diesjährigen Festivalsaison führte, denn das exzessive Touren stellte die junge Band vor eine erste Zerreißprobe:
"Durch die Erfolge, die wir in unserer Heimat vorweisen konnten, wurde eine riesige Erwartungshaltung aufgebaut, mit der wir fertig werden mußten. Das war keine leichte Situation für uns. Andererseits merkt man erst unter extremen Bedingungen, wie sie während einer Tour üblich sind, ob eine Band richtig funktioniert oder nicht. Wir standen plötzlich vor dem Problem, den Drummer und den Keyboarder ersetzen zu müssen", so Ville rückblickend.
Das Problem wurde jedoch schnell gelöst. Besetzte Juska, ein bisher kaum in Erscheinung getretener Musiker, den vakanten Posten des Keyboarders, so klemmte sich mit Gas Lipstick (ex-Kyyria) ein echter Haudegen der Helsinki-Szene hinter die Drums und sorgte von nun an für den nötigen Drive. Die neu gefundene Stabilität im Line-up war mitverantwortlich dafür, daß HIM bei fast jedem ihrer Konzerte einige neue Songs in den Set integrierten, um erste Publikumsreaktionen auszuloten.
Ville: " Während wir in Deutschland tourten, hatten wir bereits seit einem Jahr am Material für unser zweites Album gearbeitet ? da bot es sich an, die Tracks live zu testen. Was im Studio gut klingt, muß unter Live-Bedingungen noch lange nicht funktionieren."
Im vergangenen Frühjahr ging das Quintett dann daran, das zweite Album aufzunehmen. Wie beim Debüt griff man auf die Dienste von Produzent Hiili zurück und nahm die Scheibe in den Finnvox Studios im heimischen Helsinki auf. Einige Monate später verkündete man dann der überraschten Presse, daß man die Scheibe komplett neu einspielen wolle. Eine Entscheidung, die Ville heute ? mit dem notwendigem Abstand - folgendermaßen erklärt:
" Wir hatten das Gefühl bei weitem nicht das Optimum herausgeholt zu haben. Vielleicht lag es an uns selbst, denn wir hatten die Songs stetigen Veränderungen unterzogen und langsam, aber sicher, ihren ursprünglichen Charme verwischt. Vielleicht lag es aber auch an der Jahreszeit, in der wir die Scheibe aufgenommen hatten. Der Winter ist in Finnland einfach zu bedrückend, als daß man sich seiner Kraft entziehen kann. Ich glaube, deshalb klangen die Songs in ihren Endversionen zu depressiv, zu ausufernd...".
Einige Monate später verschanzten sich HIM wieder im Studio. Diesmal in den Rockhouse-Studios in Wales und unter der Anleitung von Soundtüftler John Fryer ( NIN, White Zombie, Depeche Mode ), der dem Quintett einen zusätzlichen Push verschaffte.
Ville ist der erste, der bereitwillig zugibt, das Fryer der Band zusätzliches Selbstvertrauen gab und es so ganz nebenbei schaffte, die Arrangements zu straffen: " John hat uns die Augen geöffnet, denn er ist an unser Material völlig unbefangen herangegangen und hatte keine Erwartungshaltung. Er hat sich darauf konzentriert, unsere Stärken voll zum Tragen zu bringen und uns wertvolle Tips gegeben. Der Typ ist ein absoluter Vollprofi ".
Einen ersten Eindruck der Kollaboration mit John Fryer konnten sich HIM-Fans bei der ersten Singleauskopplung "Join Me" machen. Für den Soundtrack des aktuellen Roland Emmerich Films "The 13th Floor" steuerte man eben diese Nummer bei und drehte einen Filmsequenzen enthaltenden Videoclip ab. Entpuppte sich der Song schon nach wenigen Durchläufen als kleine Gothic-Rock-Oper mit enormen Hitpotential, so sorgte der Videoclip, in dem Ville scheinbar mühelos die visuelle Wandlung zu einer modernen Version der Kunstfigur Ziggy Stardust vollzog, für weiteres Aufsehen.
Der Boden für die Veröffentlichung von " Razorblade Romance" ist also perfekt bereitet, zumal sich die Band deutlich gewachsen zeigt und die Klasse des Debütwerks toppen kann.Zwar hat sich das Erfolgskonzept, die Kombination aus harten Gitarren und melancholischen Melodien,
nur um Nuancen geändert, aber die Band ist ihrer Vision von "Goth?n Roll" erstaunlich nahe gekommen. Beinahe beängstigend intensiv interpretiert man düster-morbide Tracks wie 'Gone With The Sin' oder 'Join Me', während treibende Songs wie 'She'll Be (Right Here In My Arms)', 'Razorblade Kiss' oder das als Reminiszens an das Debüt gedachte '666 Revisited' erstaunlich leicht aus den Boxen rocken.
Das bisherige Erfolgsrezept wurde bis auf die Tatsache, daß man mit'Heaven Tonight' und ' 'One Last Time' eine deutliche Affinität zu den Achtzigern dokumentiert, konsequent beibehalten und zeugt von gewachsenen Selbstvertrauen des Helsinki-Fünfers.
"Razorblade Romance" ist die Reifeprüfung einer Band, die den Höhepunkt noch lange nicht erreicht hat.