zyx
05.02.2006, 20:44
Ein Kabarett-Wolf im Schafspelz
http://www.pz-news.de/imperia/md/images/manuell/kultur/04024.jpg
PFORZHEIM. Er gilt als einer, der das Kabarett geradezu neu erfunden hat. Die Feuilletons sind voller Lobeshymnen auf den mit Preisen üppig dekorierten Hagen Rether.
Tatsächlich: Der Mann aus Essen hat ein Genre kreiert, das er selbst als ?Extended Barmusik-Kabarett? bezeichnet. In feinen, grauen Zwirn gewandet setzt er sich neben seinen Flügel und beginnt erst mal betont lässig, Naturjoghurt zu essen. Ist der Spannungsbogen aufgebaut, lässt er seinen Gedanken freien Lauf und begleitet sich selbst dazu mit Jazzklängen.
Dabei seziert Rether gut drei Stunden lang im fast ausverkauften großen Saal des Kulturhauses Osterfeld messerscharf Gesellschaft wie Politik: ?Im Kompetenzteam sind sie alle wieder da. Das ist, wie wenn man altes Gammelfleisch einfach umetikettiert?. Er zitiert Studien mit bedenklichem Ergebnis: 80 Prozent junger Briten glaubten, Hitlers Vorname sei ?Heil?. Rethers lakonischer Kommentar: ?Hier denken wohl ebenso viele, Bushs Vorname sei Fuck.? Sein breites Spektrum reicht von hintergründig-frotzelnden Anspielungen bis hin zu grenzwertig-billigen Kalauern: Kostproben gefällig? ?Wären wir ein Land der freiwilligen Prostitution, wir wären ein Land von Wichsern.? In Gestalt eines distinguierten Barpianisten zeigt er mit samtener Stimme in tabuloser Weise auf, wo der ganz alltägliche Wahnsinn beginnt, und wo er endet. Jener irritierende Gegensatz des Wolfs im Schafspelz zeichnet Rether aus. Jede Geste, jede Mimik, jedes Grinsen ? alles ist perfekt getimt, auch wenn er nur kurz die Augenbraue anhebt. Rether versiebt keine einzige Pointe. Er spielt gewandt und virtuos mit der Sprache, liefert bitterböse Satire, zerpflückt politische Statements und führt sie ad absurdum ? in fast beängstigender Perfektion.
Er lästert über den Wahlkampf, Merkel, Müntefering, Stoiber, Köhler (?Der kann keine Kopfschmerzen bekommen ? wo nichts ist...?), die SPD (?Man sollte keine toten Pferde peitschen.?) und auch Kohl, der ?dicke Münchhausen der CDU?, wird wieder ausgepackt. Der Musikhochschul-Absolvent schöpft, assoziativ geschickt überleitend, kabarettistisch aus dem Vollen: Als ?Al-Kaida Schwäbisch Gmünd? ruft er kurz bei Osama an. Dann macht er den Namen ?Scharon? lautmalerisch so nachvollziehbar, dass er wie ein Panzermotor klingt. Rether als Quentin Tarantino der Kabarett-Szene aus dem Vollen : Ein Anzug tragender Bösewicht haut in Überlänge munter drauf, bis das Blut spritzt. Das Publikum hängt ihm an den Lippen, wenn er sagt: ?Möllemann war ein Vollblutpolitiker: Voll Blut, für Hirn war da kein Platz mehr. Dann hat er aus heiterem Himmel ins Gras gebissen.? Und die Musi spielt dazu: Während er Beethoven klimpert, erwähnt er kurz das Mozart-Jahr.
Seine Wortkaskaden verschonen noch nicht einmal die Kabarettisten-Zunft. die über ?Luxusnummern? wie die Merkel-Frisur, Küblböck, das Zuspätkommen der Bahn oder das Aufstellen eines IKEA-Regals noch Witze machen. Und prompt hat Rether, indem er seinen Kollegen den Spiegel vorhält, genau dadurch selbst eine minutelange Nummer gestrickt. Wie raffiniert. Rether kratzt am Image gemeinhin beliebter Gestalten wie Grönemeyer oder Dalai Lama. Der sei ein grundlos kichernder Automat für Binsenweisheiten, ein Peter Lustig für enttäuschte Christen. Die katholische Kirche sei der älteste Schwulenverein überhaupt. Mit der Pabst-Persiflage mag er die Geschmacksgrenze einiger Zuschauer womöglich überschritten haben. Bevor Rether den Abend mit einem fulminanten Stoßgebet beschließt, karikiert er den Beschluss des Vatikans, einen Schutzpatron für das ach so hilflose Internet zu wählen: ?Wo leben die denn?? Hier zeigt Rether seinen moralischen Anspruch: Nein, nicht der Kabarettist ist zynisch. Die Welt, in der wir leben, ist schon zynisch genug.
kennt den jemand von euch? meinungen?
ich selbst hab ihn vor längerer zeit mal im tv entdeckt und bin vor ca. nem halben jahr auch mal bei nem live-auftritt (über 3 stunden excl. pause) gewesen und kann sagen, der mann ist wirklich ein meister seines faches und sehr zu empfehlen. vom niveau her auf einer stufe mit z.b. harald schmidt (und das gibts selten)#anbeten#! werde wenn er mal wieder hier im lande ist, auf jeden fall wieder hingehen ;)
http://www.pz-news.de/imperia/md/images/manuell/kultur/04024.jpg
PFORZHEIM. Er gilt als einer, der das Kabarett geradezu neu erfunden hat. Die Feuilletons sind voller Lobeshymnen auf den mit Preisen üppig dekorierten Hagen Rether.
Tatsächlich: Der Mann aus Essen hat ein Genre kreiert, das er selbst als ?Extended Barmusik-Kabarett? bezeichnet. In feinen, grauen Zwirn gewandet setzt er sich neben seinen Flügel und beginnt erst mal betont lässig, Naturjoghurt zu essen. Ist der Spannungsbogen aufgebaut, lässt er seinen Gedanken freien Lauf und begleitet sich selbst dazu mit Jazzklängen.
Dabei seziert Rether gut drei Stunden lang im fast ausverkauften großen Saal des Kulturhauses Osterfeld messerscharf Gesellschaft wie Politik: ?Im Kompetenzteam sind sie alle wieder da. Das ist, wie wenn man altes Gammelfleisch einfach umetikettiert?. Er zitiert Studien mit bedenklichem Ergebnis: 80 Prozent junger Briten glaubten, Hitlers Vorname sei ?Heil?. Rethers lakonischer Kommentar: ?Hier denken wohl ebenso viele, Bushs Vorname sei Fuck.? Sein breites Spektrum reicht von hintergründig-frotzelnden Anspielungen bis hin zu grenzwertig-billigen Kalauern: Kostproben gefällig? ?Wären wir ein Land der freiwilligen Prostitution, wir wären ein Land von Wichsern.? In Gestalt eines distinguierten Barpianisten zeigt er mit samtener Stimme in tabuloser Weise auf, wo der ganz alltägliche Wahnsinn beginnt, und wo er endet. Jener irritierende Gegensatz des Wolfs im Schafspelz zeichnet Rether aus. Jede Geste, jede Mimik, jedes Grinsen ? alles ist perfekt getimt, auch wenn er nur kurz die Augenbraue anhebt. Rether versiebt keine einzige Pointe. Er spielt gewandt und virtuos mit der Sprache, liefert bitterböse Satire, zerpflückt politische Statements und führt sie ad absurdum ? in fast beängstigender Perfektion.
Er lästert über den Wahlkampf, Merkel, Müntefering, Stoiber, Köhler (?Der kann keine Kopfschmerzen bekommen ? wo nichts ist...?), die SPD (?Man sollte keine toten Pferde peitschen.?) und auch Kohl, der ?dicke Münchhausen der CDU?, wird wieder ausgepackt. Der Musikhochschul-Absolvent schöpft, assoziativ geschickt überleitend, kabarettistisch aus dem Vollen: Als ?Al-Kaida Schwäbisch Gmünd? ruft er kurz bei Osama an. Dann macht er den Namen ?Scharon? lautmalerisch so nachvollziehbar, dass er wie ein Panzermotor klingt. Rether als Quentin Tarantino der Kabarett-Szene aus dem Vollen : Ein Anzug tragender Bösewicht haut in Überlänge munter drauf, bis das Blut spritzt. Das Publikum hängt ihm an den Lippen, wenn er sagt: ?Möllemann war ein Vollblutpolitiker: Voll Blut, für Hirn war da kein Platz mehr. Dann hat er aus heiterem Himmel ins Gras gebissen.? Und die Musi spielt dazu: Während er Beethoven klimpert, erwähnt er kurz das Mozart-Jahr.
Seine Wortkaskaden verschonen noch nicht einmal die Kabarettisten-Zunft. die über ?Luxusnummern? wie die Merkel-Frisur, Küblböck, das Zuspätkommen der Bahn oder das Aufstellen eines IKEA-Regals noch Witze machen. Und prompt hat Rether, indem er seinen Kollegen den Spiegel vorhält, genau dadurch selbst eine minutelange Nummer gestrickt. Wie raffiniert. Rether kratzt am Image gemeinhin beliebter Gestalten wie Grönemeyer oder Dalai Lama. Der sei ein grundlos kichernder Automat für Binsenweisheiten, ein Peter Lustig für enttäuschte Christen. Die katholische Kirche sei der älteste Schwulenverein überhaupt. Mit der Pabst-Persiflage mag er die Geschmacksgrenze einiger Zuschauer womöglich überschritten haben. Bevor Rether den Abend mit einem fulminanten Stoßgebet beschließt, karikiert er den Beschluss des Vatikans, einen Schutzpatron für das ach so hilflose Internet zu wählen: ?Wo leben die denn?? Hier zeigt Rether seinen moralischen Anspruch: Nein, nicht der Kabarettist ist zynisch. Die Welt, in der wir leben, ist schon zynisch genug.
kennt den jemand von euch? meinungen?
ich selbst hab ihn vor längerer zeit mal im tv entdeckt und bin vor ca. nem halben jahr auch mal bei nem live-auftritt (über 3 stunden excl. pause) gewesen und kann sagen, der mann ist wirklich ein meister seines faches und sehr zu empfehlen. vom niveau her auf einer stufe mit z.b. harald schmidt (und das gibts selten)#anbeten#! werde wenn er mal wieder hier im lande ist, auf jeden fall wieder hingehen ;)