so, das ging jetzt eeewig ^^ aber hab endlich wieder einen part geschrieben. Ich hatte eigentlich vor, Fanni ein bisschen hängen zu lassen, weil die letzten parts sich so viel um sie gedreht haben, aber alles,was ich über Skyler geschrieben habe, war totaler Stuss ^^
Oh. I get dark. Oh, and I'm in hell.
I need a friend. Oh, but I can't yell.
I'm no good. No good to anyone.
Marina and the diamonds - Numb

„Meine Mandantin raucht nicht und sie durfte das Gelände in den letzten zwei Jahren nicht verlassen. Auf dem gesamten Areal existieren weder Feuerzeuge, noch Zündholze oder Zigaretten. Wie hätte sie das Feuer entfachen sollen?“ Fanni hatte ihren Kopf horizontal auf ihre aufgestützte rechte Hand gelegt und beobachtete ihren Anwalt mit einem unbeteiligten Blick. Ich würde gerne sein Haar anfassen., dachte sie, als das Licht, dass durch die Buntglasfenster des Gerichtssaals sein blondes Haar zum Leuchten brachten und es unheimlich weich und flauschig erschienen liessen. Der Richter wollte gerade dem Staatsanwalt das Wort erteilen, da öffnete Fanni zum ersten Mal seit dieser seltsamen Zusammenkunft von Fremden den Mund. „Wie verzweifelt sind Sie eigentlich auf der Jobsuche, dass Sie einen so hoffnungslosen Fall wie mich verteidigen? Sie wissen doch, dass Sie nur verlieren werden.“ Alle schwiegen, als ihre monotone Stimme ganz leise von den unzähligen Ecken des Saales zurückgeworfen wurde. „Nun, da Sie sich doch noch dazu entschieden haben, sich uns mitzuteilen, würden wir Ihnen doch gerne einige Fragen stellen.“, wagte sich dann der Staatsanwalt kühl die Stille zu unterbrechen, während ihr eigener, blonder Schönlingsanwalt irritiert blinzelte und seinen Mund leicht offen stehen liess, so verblüfft war er. Seit Tagen hatte er versucht auch nur ein Wort aus ihr herauszubekommen, aber sie hatte ihn nicht einmal angesehen, sondern nur ab und zu ihre Beine auf den Stuhl gezogen und mit zwei Fingern darübergefahren. Ganz langsam legte Fanni ihre Hand auf das Rednerpult und drehte ihren Kopf, ohne ihren Oberkörper zu bewegen zum Staatsanwalt. Sie musterte ihn einen Moment regungslos, dann legte sie ihren Kopf so schräge nach hinten, dass ihr Genick knackste. Über sämtliche Gesichter in ihrer unmittelbaren Umgebung huschte ein Ausdruck des Schauderns bei diesem unangenehmen Geräusch.
Thom war nicht erschienen. Man hatte Fanni nie mitgeteilt, wie es um ihn stand. Wahrscheinlich, überlegte sie sich, haben sie das Gefühl, ich werde noch verrückter, wenn ich mit der Nachricht seines Todes fertig werden muss. „Haben sie die Küche in Brand gestellt?“, wurde sie ganz direkt gefragt. Sie zuckte mit keiner Wimpern und schob nur ganz langsam ihre Hände ineinander. „Was denken Sie denn?“, fragte sie den Mann und stand auf. Sofort wurde sie vom Richter aufgefordert, sich hinzusetzen. „Ich möchte aber stehen.“, und darauf schwieg er und schüttelte nur den Kopf. Der Staatsanwalt liess sich nicht von ihrer Frage irritieren: „Laut Eleanor Johnson verliess sie die Küche gerade, um eine Zigarette zu rauchen, während Sie mit dem Abwasch beschäftigt waren. Kaum hatte sie den Raum verlassen, hat sie Ihr Lachen gehört. Als sie eine Minute später auf den Gardinen Ihren Schatten gesehen hat, der eine Zigarette fallen liess, war es schon zu spät und sie entfernte sich, um Hilfe zu holen.“ Fanni nickte immer wieder bei dem Bericht. Natürlich hatte sie Jennys Lachen für das von Fanni gehalten. Sie hatten sehr ähnliche Stimmen. Aber warum erwähnte sie Jenny überhaupt mit keinem Wort? „Hinterlistige Schweinebacke!“, zischte sie mit einer halben Drehung nach hinten zu der Küchenhilfe, die sofort zusammenzuckte. Der Richter wies sie nur pro Forma zurecht. Inzwischen wussten doch alle im Saal, dass Fanni tat und liess, was sie wollte. Und das verängstigte sie.
Ein Leben lang verbrachten sie in dieser kontrollierten Welt. Der Wecker hörte immer dann auf zu Klingeln, wenn sie den Knopf drückten. Die Kaffeemaschine gab ihnen dann das erwünschte Getränk, wenn sie den Knopf drückten. Der Aufzug fuhr dann in das gewünschte Stockwerk, wenn sie den Knopf drückten. Das Mobiltelefon, der Staubsauger, die elektrische Zahnbürste, ja selbst das Licht! – all das funktionierte auf den Willen dieser Menschen, auf ihren Knopfdruck. Aber Fanni, Fanni hatte keinen Knopf den man drücken konnte. Sie war unberechenbar. „Es geschah alles genau so, wie die Küchenhilfe…“, der Staatsanwalt unterbrach sie barsch: „Mrs. Johnson!“ Fanni schnaubte nur auf, als wäre eine Nerv tötende Fliege auf ihren ausgetrockneten Lippen gelandet und redete unbeirrt weiter: „Wie die Küchenhilfe es Ihnen geschildert hat.“ Gemurmel überwallte den gesamten Saal wie eine Flutwelle und zufrieden liess sich Fanni wieder auf den Stuhl fallen. Wäre es um sie nicht so laut gewesen, hätte sie sofort registriert, wie sich die Tür des Gerichtssaales öffnete und sich das dumpfe Geräusch eines Krückenpaares den Mittelgang entlangkämpfte und erst direkt hinter ihr verstummte. Das Urteil wurde gefällt, aber Fanni hörte gar nicht zu. Sie zog an einem Faden, der sich aus ihrem Pullover gelöst hatte und scheinbar unendlich war. Sie war klar darauf konzentriert, die strickende Frau zu ignorieren. Heute arbeitete die Gestalt an einem fliessenden, blutroten Gewand, welches sich auf dem kalten Boden auszubreiten schien und sich wie Rosenranken um Fannis Füsse schlang. "Schätzchen, du bist nicht mehr zu retten.", seufte die Frau immer wieder tragisch, während sie sich die dunkelbraunen Haare hinters Ohr strich. Erst der harsche Griff ihres Anwaltes, der sie mit vom Podest zog, holte sie in die Realität zurück.
Fanni richtete sich auf, straffte ihre Schultern und lief mit festem, ignorierendem Blick den Mittelgang hinunter. Verstörte Zuhörer und die strickende Frau waren ihr voraus gegangen und sie bemerkte diese Anwesenheit erst, als sie die Hälfte des Saales schon durchquert hatte. Sie fuhr herum und erstarrte zu Stein, als Thom sie kläglich anlächelte.
Er trug einen Verband um den Kopf und ein Bein war eingegipst. Ihr Anwalt ging instinktiv schon ein paar Schritte voraus, um ihr Privatsphäre zu lassen. Wenn er gewusst hätte, dass Thom derjenige war, der wegen Beihilfe zur Flucht – zu ihrer Flucht – auch gerade mitten in einem Prozess steckte, hätte er es wohl nicht getan. „Du warst es nicht oder?“, seine Stimme klang zitternd, als müsste er sich sehr anstrengen zu reden. Nichts in Fannis Gesicht regte sich, ausser den Tränen, die über beide Wangen liefen und gar nicht zu ihrer gesamten Haltung passten, als hätte sie irgendein Maler willkürlich in das Bild eingefügt. „Musstest du zuerst in einen Baum fahren, um es mir zu glauben?“, selbst ihre Stimme war emotionslos. Aber Thom schmunzelte. „Wie geht es dir?“, fragte er sie und humpelte etwas näher. „Ich weiss nicht, wo ich hingehöre.“, jetzt schluchzte sie auf und die verletzliche Seite der Fanni, die Thom in North Carolina kennengelernt hatte, schimmerte wieder durch diese massive Steinwand in ihrem Kopf. „In die Welt, die mich verführt und mag, gehöre ich nicht und die Welt, in die ich gehöre, will mich nicht. Und jetzt werde ich nie wieder aus diesem Irrenhaus kommen!“, Thom schüttelte den Kopf und stellte die Krücken an die Bänke links von ihm und zog Fanni dann in seinen Arm. Sie war jetzt nicht mehr seine Patientin. Sie war schon lange keine Patientin mehr für ihn. „Dieses Wort hören wir hier nicht gerne.“, grinste er leise und sie schlug ihm leicht gegen die Schulter, nur um gleich zurückzuzucken, weil sie Angst hatte, ihm wehgetan zu haben. Ihr Anwalt war inzwischen wieder einige Schritte auf sie zugekommen und bedeutete sie, mit ihm zu kommen. „Das reicht.“, meinte er und Fannis Gesicht erstarrte wieder. Nur ihre Augen blieben an Thom hängen, während sie von ihrem Schönlingsanwalt bestimmt mitgezogen wurde. Ihr Freund – ehemals Psychiater – schnappte sich nun die Krücken wieder und holte sie ein. Unheimlich geschickt nahm er beide Krücken in eine Hand und drückte Fanni, die achtungslos von dem Schönling umherdirigiert wurde, einfach so einen Kuss auf. Die strickende Frau kicherte hysterisch auf. Dann grinste Thom ihr nach und winkte, während sie sich im Laufen nur immer wieder umdrehte und ihn ausdruckslos ansah, bis die Türen zufielen und Staubpartikel aufwirbelten, welche das Licht reflektierten, das wegen der Buntglasfenster in allen Farben auf die Platten des Bodens ein Muster schienen. Der einsame Mann liess sich auf einen der dunklen, von Kerben der Vergangenheit übersäten Holzbank sinken und das Rascheln seines Anzuges wurde vom Rauschen der Strasse draussen übertönt. Nicht aber sein pochender Herzschlag.